Ausschnitt aus Kapitel 2

„AUSWIRKUNGEN – UND – WAS BRINGT ES DEM PFERD?“

Anregung der Speichelproduktion

In der Natur geschieht nichts ohne einen guten Grund. Und so hat auch das Koppen vermutlich einen weiteren Sinn für das Pferd. Neben der bereits erwähnten Stressbewältigung, liegt ein Vorteil beim Koppen in der vermehrten Produktion von Speichel.

In der Natur fressen die Pferde ca. 18 Stunden am Tag. Sie sind also lange beschäftigt mit Kauen und somit auch mit der Produktion von Speichel. Speichel beinhaltet Stoffe, die im Magen benötigt werden. Das sind zum einen Mineralstoffe, zum anderen Bikarbonate, welche den pH-Wert des Magens positiv beeinflussen. Eine genügend große Menge Speichel ist daher die erste Voraussetzung für eine reibungslose Verdauung.

Bei der heutigen Fütterung der Pferde wird dieses oft zu wenig berücksichtigt. Für 1 kg Heu benötigt das Pferd 40-50 min Fresszeit und produziert dabei ca. 4l Speichel. Für 1 kg Hafer benötigt es nur 8-15 min Fresszeit und es entstehen nur 1l Speichel. Bei den üblichen zwei Heumahlzeiten und drei Kraftfuttergaben ist die Speichelmenge daher oft zu gering. Besonders kritisch ist die Lage bei den Pferden, die nur Späne als Einstreu bekommen, da hier das Strohknabbern wegfällt u nd die Pferde längere Zeit zwangsweise „nüchtern“ bleiben müssen.

Untersuchung zur Speichelproduktion koppender Pferde
Alabama, USA, 2008
In einem Versuch wurde von 7 Koppern und 7 nicht koppenden Pferden die Speichelmengen gemessen und verglichen. Eine Messung erfolgte vor dem Koppen und eine zweite Messung 5 Minuten später. Bei den nicht koppenden Pferden wurden ebenfalls in einem Abstand von 5 Minuten zwei Messungen durchgeführt. Für die Messung legten die Forscher einen Schwamm aus Zellulose an den Ausgang der Speicheldrüse an. Dieser Schwamm saugte sich voll Speichel und konnte anschließend gewogen werde.

Vor dem Koppen war die Speichelmenge bei allen Pferden ähnlich. Sie lag zwischen 1.2g und 1.5g. Bei der zweiten Messung jedoch lag die Speichelmenge bei den nicht koppenden Pferden deutlich niedriger, nämlich im Durchschnitt um 0.38g. Dieses spricht dafür, dass die ersten Messung einen gewissen Austrocknungseffekt hatte. Bei den koppenden Pferden konnte jedoch keine Reduzierung der Speichelmenge festgestellt werden. Dieses spricht dafür, dass während des Koppens eine größere Menge Speichel gebildet wird und somit der Austrocknungseffekt ausgeglichen werden konnte.

Zur Kontrolle wurde bei den Koppern eine weitere Messung durchgeführt. Dieses Mal wurden die Pferde am Koppen gehindert und die Speichelmenge im Abstand von ebenfalls 5 Minuten gemessen. Nun konnte man auch bei diesen Pferden eine ganz ähnliche Verringerung feststellen, nämlich im Durchschnitt 0,39g.

Moeller, B.A., McCall, C.A., Silvermann, S.J., McElhenney, W.H. (2008), Estimation of Salvia Production in Crib-Biting and Normal Horses, Journal of Equine Veterinary Science, Volume 28, Issue 85-90.

Ein Hauptgrund des Koppens (neben der Auswirkung auf die Dopamin-Aktivität) ist offensichtlich die vermehrte Produktion von Speichel. Das Pferd versucht durch das Koppen ein besseres Gefühl im Magen zu bekommen und die übermäßige Magensäure zu binden.

Dieses ist ein großer Vorteil des Koppens und spricht auf jeden Fall dagegen, dass Pferd zwangsweise am Koppen zu hindern. Es hat eine Möglichkeit gefunden, seine angespannte Lage und seine Gesundheit zu verbessern. Diese sollte vom Menschen nicht unüberlegt behindert werden.